Vielleicht fragen Sie sich, was das Thema Rhetorik in einer Praxis für Psychologische Beratung zu suchen hat. Eine berechtigte Frage, wenn unter Rhetorik nur der Umgang mit Sprache verstanden wird. Rhetorik ist jedoch viel mehr, als "nur" zu reden. Es geht vor allem um Stimmigkeit und Präsenz.
Kommunikation ist grundsätzlich höchst störanfällig. Noch bevor ein Wort den Mund verlassen hat, reagiert das Gegenüber auf Mimik, Blick, Gestik und Körperhaltung.
Manchmal ist es uns gar nicht bewusst, dass wir körpersprachliche Signale senden, die nicht mit dem, was wir sagen, übereinstimmen. Dadurch entstehen Irritationen. Diese wirken wie eine Barriere, sowohl nach außen als auch in uns selbst hinein.
Stimmt meine verbale Sprache nicht mit meiner non-verbalen Sprache (Mimik, Gestik, Haltung, Atmung, Stimme) überein, dann verblasst die Wirkung dessen, was ich sagen möchte. Manchmal kommt sogar das, was ich zum Ausdruck bringen möchte, bei meinem Gegenüber gar nicht richtig an.
Relevant wird die innere und äußere Stimmigkeit, wenn wir das diffuse Gefühl bekommen, uns irgendwie selbst fremd geworden zu sein. Irgendetwas stimmt nicht mehr. Die eigenen Kinder hören vielleicht nicht mehr richtig zu. Der Partner oder die Partnerin wirkt abwesend. Kolleg:innen zeigen sich desinteressiert. Als Führungskraft dringe ich nicht durch.
Für solche Phasen der Irritation, die häufig einen Übergang einleiten, brauchen wir eine andere Sprache, eine neue Stimmigkeit, die sich anfangs fremd anfühlt. Das erzeugt zunächst Stress. Vertrautes soll verabschiedet, Ungewohntes ausprobiert oder gewagt werden? Da schreit alles in uns "Nein!".
Doch mit Unterstützung entwickeln wir sukzessive eine größere Bandbreite in unserer Kommunikation. Wir gehen aufrecht, halten Blickkontakt, zeigen Offenheit und Freude - und können dennoch freundlich auf Distanz gehen, wenn uns etwas nicht guttut.
Auszeit auf Kreta, Impressionen