Vielleicht fragen Sie sich, was das Thema Rhetorik in einer Praxis für Psychologische Beratung zu suchen hat. Eine berechtigte Frage, wenn unter Rhetorik nur der Umgang mit Sprache verstanden wird. Rhetorik ist jedoch viel mehr, als "nur" zu reden. Es geht vor allem um körperliche Stimmigkeit und Präsenz.
Einen großen Teil unseres Lebens machen wir uns wenige Gedanken darüber, wie wir wirken. Alles läuft, wie es laufen soll. Das ist auch gut so. Doch manchmal geschieht etwas, was uns verunsichert.
Wir geraten vielleicht aus der Balance. Wir verlieren den Boden unter unseren Füßen oder etwas Vertrautes fühlt sich nicht mehr richtig an. Irgendwie passt das alte Leben nicht mehr, die vertraute Sicherheit scheint verrutscht.
Vielen Menschen fällt es gerade dann schwer, ihren Gefühlen einen passenden Ausdruck zu geben. Wer z. B. keine treffenden Worte für das findet, was ihn bewegt, kann sich nur schwer verständlich machen. Nicht selten fehlt dann auch die eigene innere Klarheit.
Manchmal ist es uns gar nicht bewusst, dass wir körpersprachliche Signale senden, die nicht mit dem, was wir sagen, übereinstimmen. Dadurch entstehen Irritationen. Diese wirken wie eine Barriere, sowohl nach außen als auch in uns selbst hinein.
Stimmt meine verbale Sprache nicht mit meiner non-verbalen Sprache (Mimik, Gestik, Haltung, Atmung, Stimme) überein, dann verblasst die Wirkung dessen, was ich sagen möchte. Manchmal kommt sogar das, was ich zum Ausdruck bringen möchte, bei meinem Gegenüber gar nicht richtig an.
Relevant wird die innere und äußere Stimmigkeit, wenn wir das diffuse Gefühl bekommen, uns irgendwie selbst fremd geworden zu sein. Irgendetwas stimmt nicht mehr. Die eigenen Kinder hören vielleicht nicht mehr richtig zu. Der Partner oder die Partnerin wirkt immer häufiger abwesend. Kolleg:innen zeigen sich desinteressiert.
Solche Erfahrungen schmerzen. Menschen, die ich begleite, erkennen schnell, dass sie mit der Bewältigung von Übergängen zu tun haben. Für Phasen des Übergangs brauchen wir eine andere Sprache, eine neue Stimmigkeit, die sich anfangs fremd anfühlt. Das erzeugt zunächst Stress. Vertrautes soll verabschiedet, Ungewohntes ausprobiert oder gewagt werden? Da schreit alles in uns "Nein!". Doch nach und nach entwickeln wir eine größere Bandbreite in unserer Kommunikation. Wir gehen aufrecht, halten Blickkontakt, zeigen Offenheit und Freude, und können dennoch freundlich auf Distanz gehen, wenn uns etwas nicht guttut.
Einblicke in den Praxisraum